3. 1. 6 Flexible Fertigungslinie
Modell: tht (nicht DEMO-fähig)
Beschreibung:
Das Modell stellt ein Fertigungssystem zur Bestückung von Leiterplatten in
der - heute allerdings weitgehend verdrängten - Durchstecktechnik
(THT - Through Hole Technology) dar. Die Leiterplatten werden in spezielle
Transportcontainer gesteckt und befinden sich zunächst im Eingangslager "input".
Während des Fertigungsprozesses werden die elektronischen Bauelemente
entsprechend einem Bestückungsplan automatisch auf die Leiterplatte gebracht. Die
Anschlussdrähte der Bauelemente werden dazu durch die auf der Leiterplatte
vorhandenen Löcher gesteckt, gebogen und abgeschnitten. Die fertig bestückten
Leiterplatten werden im Ausgangslager "output" gesammelt und können anschließend
auf einer Schwalllötanlage gelötet werden.
Unter den bedrahteten elektronischen Bauelementen gibt es eine Vielzahl von
Bauformen, die sich wie folgt klassifizieren lassen:
|
Die Anschlussdrähte sind radial auf einem Kreis angeordnet (z.B.
Elektrolytkondensator) |
|
Die Anschlussdrähte sind axial angeordnet (z.B.
Widerstand) |
|
Bei Schaltkreisen sind die Anschlussdrähte entlang zweier
gegenüberliegender Kanten angeordnet (Dual-Inline-Package, z.B. Schaltkreise)
|
|
Alle Sonderformen, auch solche, die nur einen Anschlussdraht besitzen (z.B.
Messpunkte)
|
Es gibt keinen universellen Bestückungsautomaten, der imstande wäre, alle
Bauformen zu verarbeiten. Vielmehr benötigt man für jede der aufgeführten
Grundformen eine spezielle Maschine. Das dargestellte Fertigungssystem besteht
aus 4 DIP-Bestückern ("DIP1" bis "DIP4"), 2 Radial-Bestückern ("RAD1" und "RAD2"),
2 Axial-Bestückern ("RAD1" und "RAD2") und einem Bestücker für Sonderbauelemente
("PIN"), also insgesamt 9 Maschinen. Alle Maschinen sind durch ein automatisches
Transportsystem, welches im Modell nicht explizit abgebildet ist, miteinander
verknüpft. Dieses Transportsystem befördert die Container mit den Leiterplatten
grundsätzlich nur in eine Richtung, und zwar in folgender Reihenfolge:
input
DIP1
DIP2
DIP3
DIP4
DIP4
VCD1
VCD2
PIN
RAD1
RAD2
output
Die Struktur entspricht somit annähernd der einer Fließreihe. Im Unterschied zur
klassischen Fließreihe können sich die einzelnen Container jedoch gegenseitig
überholen. Das wird möglich, da vor jeder Maschine ein Pufferlager angeordnet
ist, das zusätzlich zu dem in der zugehörigen Maschine bearbeiteten Container
bis zu zwei Container aufnehmen kann. Erst wenn dieses Zwischenlager voll ist,
wird das Transportsystem blockiert.
Ein Container beinhaltet immer Leiterplatten gleichen Typs, maximal 24 Stück.
Ein Leitstandsrechner kontrolliert, welche Stationen der betreffende Container
anlaufen muss und welche nicht und versorgt zugleich die Bestück-Automaten mit
den aktuellen Bestück-Programmen. Der Maschinenpark ist insgesamt so ausgelegt,
dass das vollständige Bauelementespektrum vorgehalten werden kann, somit ein
Umrüsten der Bestücker nicht erforderlich ist.
Im Eingangslager "input" befinden sich 65 Container, die aber insgesamt nur 10
unterschiedliche Leiterplattentypen enthalten. Jeder Leiterplattentyp hat eine
eigene Technologie, die sowohl die Eigenschaften des Transportsystems (Bewegung
nur in eine Richtung möglich!), als auch die Bestückungszeiten enthält.
Container mit gleichen Leiterplattentypen erkennt man daran, dass deren Job mit
der gleichen Technologie verknüpft ist.
Anmerkungen:
Mit dem Modell lässt sich zeigen, dass auch reale Fertigungssysteme durchaus
mit einfachen Mitteln modellierbar sind. Auch in diesem Fall kann eine deutliche
Abhängigkeit wichtiger Zielgrößen, wie Durchlaufzeit, mittlere Stillstands- oder
Liegezeit, von der Einlastungsreihenfolge der Container beobachtet werden.
simcron MODELLER 3.4
Copyright © 2025 simcron
21.05.2025
|